Badevergnügen in Rastatt

„Badevergnügen in Rastatt“ – so lautet der Titel des Vortrags von Kurt Pottiez. Etwas hundert interessierte Bürger kamen in die Aula der Karlschule, um bei der Zeitreise ins 18. und 19. Jahrhundert dabei zu sein. Nicht allen von Ihnen dürften die Bäder, die Pottiez vorstellte und über die er Informationen und historische Fotos gesammelt hatte, bekannt gewesen sein.

Badezimmer in den Wohnhäusern waren im 18. Jahrhundert eine Seltenheit, und so bat bereits im 1797 der spätere Rastatter Oberbürgermeister Johann Wolff um Erlaubnis, ein Badehaus zu errichten. Achte Jahre später im Jahr 1805, wurde der Badebetrieb im sog, Friedrichsbad aufgenommen. In insgesamt 17 Kabinen konnten sich hier die Rastatter der Körperpflege widmen. „Der Duft der Fichtennadeln zog durch die Kabinen“, so Pottiez, und er ergänzte: „Ganze Familien nutzten die Gelegenheit hier ein Wannenbad zu nehmen.“

Das Wetter für den Badebetrieb wurde durch ein Schöpfrad, angetrieben von einem Esel, aus der tiefer liegenden Murg gewonnen. Die Plattform, auf der sich dieses Schöpfrad drehte, existiert noch heute. Sie befindet sich auf dem Murgdamm an der Josefstraße, kurz vor der Badener Brücke.

In einer Anzeige aus dem Jahr 1843 ist dann erstmals von einer Militärschwimmschule die Rede. Darin wird bekannt gemacht, dass der Schwimmunterricht demnächst beginnen würde. Der Standort dieses Militärbades befand sich im heutigen Rastatter Industriegebiet im Bereich der Baumeisterstraße und des Beinle, nahe der früheren Furnierfabrik Löffler. Auch hier wurde das benötigte Wasser aus der Murg entnommen.

„Die einheimischen und die österreichischen Soldaten sollen das Militärbad sehr genossen haben“, versichert Pottiez seinen Zuschauern. Besonders mutige konnten sich von einem Holzturm in die Fluten stürzen. Das Militärbad wurde 1821 geschlossen.

Das sog, Volksbade entstand an der Flößerbachmündung. Das Fließgewässer wurde hier gestaut und auf einer Länge von 50m auf 7m verbreitet. Ein weiterer Standort für ein Bad war der Schwanengarten am Rohrersteg, wo sich heute ein Kinderspielplatz befindet. Bereits im Jahr 1858 hatte sich die sog. „Aktiengesellschaft“ gegründet, die das sog. Aktienbad bauten. Jede Aktie kostete 20 Gülden, für die Aktionär 5% Zinsen erhielt. Die Höhe des Eintrittsgeldes ist leider nicht mehr bekannt. Das Wasser für das Schwimmbecken des Aktienbades wurde dem Gewerbekanal entnommen und über das Brunnenhof in den Schwanengarten geführt.

Im 1912 eröffnete der Naturheilverein dann das Licht- Luft- und Sonnenbad am Gewerbekanal, etwas dort wo sich heute das RTV-Gelände befindet. Es war 120m lang und nach Geschlechtern getrennt. für die Frauen stand, vom Eingang gesehen, der linke Teil, den Männern der rechte Teil zur Verfügung. Eine Bretterwand schützte die Freunde des Wassersports vor neugierigen Blicken. Auf beide Seiten waren nur Körperertüchtigung Turngeräte wie Barren und Reck aufgebaut. Außerdem gab es jeweils einem Rundlauf, ein Kegelspiel, Sitzbänke, ein Sandbad, sowie einen Wäschetrockenplatz. 1936 wurde das Bad aufgegeben. Das hatte vor allem damit zu tun, dass nicht weit entfernt, im Jahr 1938, das Freibad am Schwalbenrain seine Pforten öffnen sollte.

Vils „Ahs und Ohs“ war dann zu hören als Pottiez historische Fotos des Bades zeigte, dass alles übertraf, was Rastatt bis dahin an Bädern hervorgebracht hatte. So gab es erstmals einen 5-Meter Sprungturm und im Nichtschwimmerbereich eine Brücke, von Beckenrand zu Beckenrand, die für Ballspiele mit ihrem Pfeilern ein ideales Tor bot. Etliche der Anwesende erinnerte sich sehr emotional daran wie sie selbst noch an der Brücke gespielt haben. Erstmal wurden die Badegäste auch bewirtet, in einem eigenst eingerichteten Gastronomiebereich. Eine Jahreskarte mit „Kleinerufbewahrung und Wechselkabinen“ kostete damals 5 Reichsmark. Kinder bis sechs Jahre musste 2 Reichsmark bezahlen. Einen hohen Wiedererkennungswert hatte die Statue der nackten Schönen mit Ball, die Familie Mayer (Diana Werk) gespendet hatte. Auch an die zwei Fohlenstatuen, gespendet von Firma Fahlbusch konnten sich viele errinern.

Text: Ulrich Philipp

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